Was bringen Effektive Mikroorganismen (EM)?

5.02.08 | Abgelegt unter .

Der japanische Wissenschafter Teruo Higa hat in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts aus Beobachtungen, die er selbst in einer Obst- und Gemüseplantage anstellte, geschlossen, dass bestimmte Arten von Mikroorganismen wie phototrope (lichtverarbeitende) Bakterien, Hefepilzen und Milchsäurebakterien einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit und das Wachstum von Produkten der Landwirtschaft haben.

Nach seiner Theorie von den “Effektiven Mikroorganismen” oder kurz EM erreicht man mit der Behandlung von Pflanzen oder Böden durch Besprühen und Gießen mit mikroorganismen-angereichertem Wasser bessere Ernten und höhere Qualität der Nahrungsmittel als unter Einsatz der herkömmlichen Agrarchemie. EM sind also ein ökologischer Gegenpol zu Industriedünger und Spritzmitteln.

EM erzeugen wertvolle Stoffe

Die biologische Grundlage der Theorie ist der Gedanke, dass effektive Mikroorganismen faulende organische Stoffe zersetzen, dabei für Lebewesen wie Pflanzen, Tiere und auch Menschen wertvolle Stoffe erzeugen und damit die Umwelt von negativen Einflüssen bereinigen – ein Verfahren, dass in der biologischen Abwasserreinigung erfolgreich in großem Maßstab eingesetzt wird.

Auf Basis der positiven Erkenntnisse aus der Bewirtschaftung von Anbauflächen für Gemüse und Obst erweiterte zuerst die Landwirtschaft den Anwendungsbereich der efektiven Mikroorganismen auch auf die Viehhaltung und die Futtermittel-Erzeugung, später fand die EM-Technologie auch Anwendung in nicht so nahe liegenden Gebieten:

  • Putzmittel und Reiniger: Ein kleine Beigabe von EM zum Wischwasser soll bessere Reinigungsergebnisse zeigen, während der Verbrauch von chemischen Reinigern gesenkt werden könne.
  • Nahrungsergänzung: Mit effektiven Mikroorganismen angereicherte Getränke und Lebensmittel sollen durch jahrelange industrielle Ernährung im Darm angereichtere Depots von künstlichen Farbstoffen, Geschmacksverstärkern, Konservierungsmitteln und chemischen Lebensmittelzusätzen verdrängen und so zur Darmsanierung einsetzbar sein. Die so wiederhergestellte Darmflora ist die Basis für ein wehrfähiges Immunsystem und eine optimale Verdauung.
  • Halsketten, Armbänder und Schmucksteine: Hier entfalten die EM ihre Wirkung über den Schmuck direkt auf den Träger, wirken laut den Produktbeschreibungen energetisierend oder oxidationshemmend.
  • EM-Kosmetik: Die in konventioneller Kosmetik enthaltenen Konservierungsstoffe werden durch EM-Technologie ersetzt, die duftenden Komponenten stammen von mit EM-Wasser gezogenen Kräutern und Blüten.

Keramik mit EM-Zusätzen

Aus einer mit effektiven Mikroorganismen versetzten Keramik stellen mittlerweile Töpfereien Wasserkrüge und Trinkbecher her, in denen Wasser zu besonders lebensfreundliche Eigenschaften gebracht werden soll. Welche Nahrung die in der Keramik lebenden Mikroorganismen zu ihrer eigenen Erhaltung verwenden, ist mir nicht ganz schlüssig. Die Keramik enthält wahrscheinlich keinerlei Spuren der organische Materialien, in denen die Mikroorganismen beim Hersteller erbrütet werden. Als einzige, weit hergeholte Erklärung bleibt der Verdacht, dass ähnlich wie bei bestimmten Lebensformen der absoluten Tiefsee Energie aus anorganischen Materialien gewonnen wird.

Kritiker halten EM für esoterischen Humbug

Kritiker der EM-Theorie stellen fest, dass der Nachweis aller positiven Effekte im wissenschaftlichen Sinn bisher nicht geführt werden konnte und ordnen Effektive Mikroorganismen den esoterischen Fantasien zu, in denen für rational orientierte Menschen auch Grander-Wasser, Bachblüten, Schutzsteine und der Mondkalender zu finden sind. In der TV-Sendung “Ratgeber Heim+Garten” vom Februar 2008 kommt die ARD zu dem Schluss:

Fazit: EM schaden Pflanzen, Mensch und Tieren zwar nicht. Risiken und Nebenwirkungen sind jedenfalls nicht bekannt – ein Nutzen aber auch nicht! Eigentlich viel Lärm um teures Nichts.

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