Sie liebt mich, sie liebt mich nicht: Ungewissheit steigert die Attraktivität

10.01.11 | Abgelegt unter .

Die Sozialpsychologen sind sich dessen fast hundertprozentig sicher: Anziehung basiert auf Gegenseitigkeit. Sobald wir mitbekommen, dass sich jemand von uns angezogen fühlt, fühlen wir uns von Gegenüber ebenfalls stärker angezogen. Wer uns mag, wird gemocht.

Dieses Prinzip des “Gleich und gleich gesellt sich gern” ist ein ganz üblicher Tipp fürs erste Kennenlernen und angeblich auch eine der Grundlagen für die Matching-Verfahren, die zum Beispiel Online-Kuppler wie die Singlebörse fairlove oder die Online-Partnervermittlung Parship zur Erfolg versprechenden Partnersuche anwenden.

Aber diese einfache Regel gilt nicht immer so genau. Zum Beispiel gibt es die bekannte Taktik des “Sich-rar-machens”, die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und auch nach dem Hausverstand die Attraktivität von Menschen füreinander erhöht. Und es wird noch subtiler: Untersuchungen aus den siebziger Jahren stellten fest, dass sich Männer gerade dann von Frauen angezogen fühlten, wenn diese Frauen wählerisch waren. Gerade jene Frauen waren am attraktivsten, die sich zwar zu dem einen Mann hingezogen fühlten, ansonsten aber nicht leicht “herumzukriegen” waren.

Über eine Untersuchung der Auswirkungen von Unsicherheit auf die romantische Attraktivität haben zwei Forscher der Universität von Virginia zusammen mit einem Kollegen der Harvard-Universität versucht, eine weitere Ausnahme vom Prinzip der Gegenseitigkeit zu erklären.

Als Vorgabe lieferten die Forscher folgende Erklärung für 47 Studenten, die an der Studie teilnahmen:

Einige männliche Studenten von zwei assoziierten Universitäten hatten sich die Facebook-Profile von etwa fünfzehn bis zwanzig weiblichen Studentinnen inklusive dem Profil der Teilnehmerin angesehen und geschätzt, wie sie mit jeder dieser Frauen auskommen würden, wenn sie sich näher kennen lernen könnten.

Jede Teilnehmerin wurde danach zufällig in eine von drei Versuchsanordnungen aufgenommen, in der sie die Facebook-Profile von vier Männern beurteilen sollten. Die Bedingungen des Experiments waren folgende:

  1. Den Teilnehmerinnen wurde mitgeteilt, dass sie die Profile von Männern beurteilten, von denen sie selbst positiv eingeschätzt worden waren.
  2. Den Frauen wurde erzählt, dass sie über die Profile von Männer urteilten, die sei als “Durchschnitt” einschätzten.
  3. Die Teilnehmer wurden erklärt, dass sie über zufällig ausgewählte Profile von Männern urteilten, die sie entweder durchschnittlich oder interessant eingeschätzt hatten. Ein Drittel der Teilnehmer musste also mit einer gewissen Unsicherheit durch das Experiment gehen.

In jeder Anordnung wurden die Frauen gebeten, vier Facebook-Profile nach einer Reihe von Sympathiekriterien zu reihen. Das Ergebnis bestätigte das Prinzip der Gegenseitigkeit in der Hinsicht, dass die Teilnehmerinnen wohlwollender über Männer urteilten, deren Urteil im Gegenzug ebenfalls positiv war.

Zusätzlich aber zeigten sich die günstigsten Urteile in der Versuchsanordnung, bei der Unsicherheit im Spiel war. Die Frauen waren stärker an Männern interessiert, bei denen zu 50 Prozent unsicher war, ob sie die Gefühle erwiderten, als von jenen Männern, deren sie sich zu hundert Prozent sicher sein konnten.

Unter dem Vorbehalt, dass das Urteil über Facebook-Profile nicht gleichzusetzen ist mit einem Treffen im wirklichen Leben, aber auch im Angesicht der vielen ersten Begegnungen auf Online-Portalen oder der Partnervermittlung übers Internet, ziehen die Studienautoren diesen Schluss:

Es ist klar, dass die Determinanten für zwischenmenschliche Beziehungen komplex sind und es keine einfache Formel gibt, die Menschen verwenden können, um gemocht zu werden. Beim ersten Treffen jedoch könnte der gebräuchliche Rat richtig sein: Leute im Dunklen darüber zu halten, wie sehr sie gemocht werden kann ihr Interesse reizen und ihre Gedanken in unsere Richtung lenken.

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