Dicke Pferde

18.06.12 | Abgelegt unter .

Franz war im Winter da zum Spendensammeln für die Feuerwehr. Befragt nach einem Grundstück als Weide für die zwei Ponys vermittelte er uns eine Wiese mit altem Obstbaumbestand, der ein Arbeiten mit dem Traktor beschwerlich macht. Der Besitzer wäre recht froh, wenn das Gras dort einfach weggefressen würde.

Wir wurden schnell handelseinig. Ab dem folgende Frühjahr grasten also die beiden Ponys dort. Tag für Tag führten sie das Leben eines Sofa-Erdäpfels: Gras fressen, dann ein wenig rasten und in die Ferne sehen. Ihre einzige „sportliche“ Tätigkeit war der kurze Spaziergang zwischen Stall und Weide.

Pony-Siesta

Dass ein Pony bei ausreichendem Angebot den ganzen Tag frisst und nie richtig satt wird, war uns nicht so direkt bewusst. So wuerden die Ponys dicker und dicker, ohne dass wir es richtig bemerkten. Viel später fiel uns auf, das die Stute Sophie Beschwerden beim Gehen hatte und kaum mehr in den Trab zu bringen war. Jeder Schritt schien ihr Schmerzen zu verursachen. Die Ursache: Hufrehe!

Diese Entzündung im Huf entsteht bei zu kohlehydratreicher Fütterung und einer damit verursachten Übersäuerung des Körpers. Sophie hatte sich buchstäblich krank gefressen und musste in einer strengen Diät wieder zu einem normalen Stoffwechsel finden.

Behandlung der Hufrehe

Im Unterschied zum Menschen kann auch bei so krassen und sogar lebensbedrohlichen Fällen von Fettleibigkeit kein Fettspalter aus der Pharmaindustrie helfen. Stattdessen haben wir ein paar Maßnahmen kombiniert:

  • Den entzündeten Huf kühlen: Der Huf wird zuerst mit Mullbinden und Fixierbinden verbunden und dann mit Wasser aus den Gartenschlauch oder der Gießkanne gekühlt. Die älteren Bauern im Ort erzählen, wie sie ihre Pferde bei solchen Erkrankungen früher tagelang im Bach stehen ließen.
  • Das Hufbein entlasten: Unter dem Huf wird mit Panzertape ein Keil aus PU-Schaum oder Gummi befestigt, der an den Huf an der Hinterseite um etwa einen Zentimeter hochstellt und auch die Vorderkante vom Boden abhebt. Der Keil hält das Gewicht des Ponys nicht lange aus und muss darum oft erneuert werden. Das Herumgefummel mit dem Huf, dem Keil und dem Klebeband nervt. Ein Versuch mit Hufschuhen ist sinnlos, weil die Schuhe nicht eng genug sind und den Stützkeil nicht an der richtigen Position halten.
  • Bewegung: Trotz der Schmerzen soll das Pony jeden Tag 15 Minuten bis zu einer halbe Stunde langsam gehen, um die Durchblutung des Hufs zu verbessern. Verboten sind die schnelleren Gangarten, weil sonst die Belastung des angegriffenen Hufbeins zu groß wäre.
  • Diät: Statt frischem Gras direkt von der Weide gibt es nur mehr abgelagertes Heu und Stroh. Die Futtermenge errechnet sich aus dem Körpergewicht des Ponys: Rund 1,2 bis 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilo Pony sind genug. Damit die Ration langsam und gut verteilt über den Tag gefressen wird, wird das Heu in ein Heunetz gepackt. Äpfel und anderes Obst oder zuckerhaltige Leckerchen sind untersagt.
  • Medikamente: Wie gesagt, Xenical geht nicht. Aber dafür spritzt die Veterinärin alle zwei Wochen entzündungshemmende Mittel und verschreibt was für den Stoffwechsel.
  • Blutegel: Die Blutegel sollen direkt an der Haut über dem Huf angesetzt werden. Wir besorgen zwei dieser grauslichen Viecher und halten sie an die rasierte Haut des Ponys. Den Egeln schmeckt aber keine Pferdehaut und sie weigern sich, da anzubeissen – ein Reinfall.
  • Hufpflege: Der Hufschmied kürzt den Huf am vorderen Rand halbmondförmig, sodass diese Kante nicht mehr am Boden aufsteht und nimmt damit den Druck vom Huf.

In unserem Fall ist der Fall gut ausgegangen. Nach etwa vier Wochen war ein Erfolg der Behandlung zu festzustellen, der Huf hat normale Temperatur, das nachwachsende Horn wirkt glänzend und gleichmäßig und das Pony ist sichtbar schlanker. Die Ernährung haben wir jetzt dauerhaft umgestellt und die schöne Weide unter den alten Obstbäumen wieder aufgegeben.

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