Alkoholfreies Bier zum Abnehmen

21.11.11 | Abgelegt unter .

Mein erstes alkoholfreies Bier habe ich vor gut fünfzehn oder zwanzig Jahren zu mir genommen. Nicht ganz freiwillig, muss ich gestehen, und danach auch lange nicht mehr. Das kam so:

Unser Nachbar R. hatte einerseits eine große Zuneigung zu Bier, und andererseits eine dieser Neigung nicht ganz gewachsene Leber – leider keine ungewöhnliche Konstellation. Also schwenkte er auf das damals intensiv beworbene “Clausthaler” um (“Nicht immer, aber immer öfter” war das geflügelte Wort aus der Kampagne von damals) und dozierte dann bei jeder Gelegenheit: “Des is gar net so schlecht, wenn man’s kalt trinkt.”

Zipfer Märzen (links), Alkoholfreies Bier Null Komma Josef (rechts)

Soll heißen: So richtig geschmeckt hat es ihm nicht, aber zugeben konnte er das auch nicht. Bei der Eigensuggestion wollte er es aber nicht bewenden lassen, sondern auch noch die soziale Bestätigung für die Genusstauglichkeit von alkoholfreien Bier erreichen. Jeder, der nicht rechtzeitig ausweichen konnte, musste eins mittrinken.

So kam ich zu meinem ersten alkoholfreien Bier. Schön kalt.

“Gar net so schlecht, oder?” sagt R. “Na ja”, sage ich, und “Danke, nichts mehr” zur zweiten Halben. Damals war die Brautechnologie halt noch ein bisserl ausausgegoren.

Wie macht man Bier ohne Alkohol?

Zur Erzeugung der ersten alkoholfreien Biere wurde der Gärvorgang in den Brauereien unterbrochen, bevor Alkohol entstehen konnte. Die so gebrauten Biere waren geschmacklich recht gewöhnungsbedürftig und haben dem Alkoholfreien unschöne Kosenamen von “Hopfenlimonade” bis “Pferdepisse” eingebracht. Die Empfehlung, alkoholfreies Bier am besten eiskalt zu trinken, stammt auch aus dieser grauen Vorzeit.

Heute ist das anders: Bevor ein Bier alkoholfrei wird, ist es ein ganz normales alkoholhaltiges Bier. Erst nach dem herkömmlichen Brauvorgang wird dem fertigen Bier der Alkohol bestmöglich wieder entzogen. Das Verfahren dazu ist nicht “perfekt”, und so hat selbst das “bleifreie” Bier einen geringen Restgehalt so um die 0,1 bis 0,5 Prozent.

Zum Vergleich: Apfelsaft aus dem Packerl enthält 0,1 bis 0,4% Alkohol, weil die natürlichen Gärvorgänge selbst durch Pasteurisierung nie ganz unterbrochen werden.

Weniger Kalorien ohne Alkohol

Alkoholhaltiges Bier enthält rund fünf Volumsprozent Alkohol, das sind also rund 20 Milligramm pro halbem Liter. Bei einem Nährwert von 7 kcal pro Milligramm stecken in der Halben Märzen oder Pils 140 Kalorien (kcal), die über die Verdauung ziemlich vollständig in Energie und damit auch in Fett umgewandelt werden.

Zwei Drittel der 210 Kalorien in 0,5 Liter Bier stammen also vom Alkohol. Ein Semmerl hat 150 bis 200 kcal und die Flasche Bier darum den Spitznamen “Glasweckerl”.

Entfernt man den Alkohol so gut wie möglich aus dem Bier, bleiben von den ursprünglichen 210 Kalorien nur mehr die Hälfte übrig: Ein Halbe Alkoholfreies hat um die 120 kcal.

Das Schweigen der Brauer

Aber wenn das wirklich so ist, warum machen die Brauereien nicht mehr Werbung damit, dass der Umstieg auf alkoholfreies Bier beim Abnehmen helfen könnte?

Denn selbstverständlich taucht bei jeder Brauereiführung die Frage auf, ob Bier wirklich dick macht, und ganz zuverlässig schiebt der Braumeister die Schuld am Bierbauch weit von sich und dann auf die appetitanregende Wirkung des Hopfens. Und da vermute ich die Ursache für das Schweigen der Brauer über die kalorienarmen Vorteile des alkoholfreien Biers: Dass Bier an sich dick macht, wird nicht thematisiert. Würde eine Brauerei damit werben, wie schlank das eigen Alkoholfrei macht, könnte das ja ein ungünstiges Licht auf die weitaus größeren Umsatzmengen des Vollbiers werfen.

Sei meinungsfreudig! Schreib mir:

Textile-Hilfe

Mehr zum Thema: